Verletzungen des oberen Kapsel-Labrum-Komplexes

Ablösung des Labrums

Begriffserklärung

Der faserknorpelige Rand der Gelenkpfanne (das Labrum glenoidale) umfasst und erhöht den gesamten Pfannenrand. Am oberen Anteil des Labrums entspringt die lange Bicepssehne.

Durch Traumata oder Überlastungen bei Wurfsportarten kann es zur Verletzung des Knorpelrandes kommen. Diese Verletzungen des vorderen und hinteren Anteils des oberen Labrums nennt man SLAP-Läsionen (Superior labrum anterior and posterior) und teilt sie nach S. Snyder in 4 Schweregrade ein.

Beschwerden äußern sich hier bei Überkopf-Bewegungen und (bei Wurfsportlern) häufig, wenn ein Ball geworfen wird.

Die Diagnose der Verletzung erfolgt als Verdachtsdiagnose klinisch. Zur Beurteilung des Ausmaßes der SLAP-Verletzung verwenden wir heute eine direkte Arthro-NMR-Untersuchung der Schulter (nach Einspritzen eines Kontrastmittels in das Schultergelenk wird eine Kernspin-Tomografie durchgeführt).

OP-Indikation

Die Indikation zur Op wird bei therapieresistenten Schmerzen trotz konservativer Therapie (Krankengymnastik mit Training des Infraspinatusmuskels als Schulterdepressor) und erfolgter Bildgebung gestellt

Operationstechnik

Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der SLAP-Verletzung:

Bei der Grad I-Verletzung einer faserigen Schädigung des Knorpelrandes ohne Ablösen desselben reicht in der Regel ein arthroskopisches Debridement (Glätten) des Knorpelrandes.

Bei der Grad II-Verletzung (teilweise Ablösung des Labrums) wird bei Instabilität des Knorpelrandes eine arthroskopische Refixation des Knorpelrandes durchgeführt.

Bei der Grad III-Verletzung (der kompletten Ablösung des Knorpelrandes) wird ebenfalls der Knorpelrand arthroskopisch am Pfannenrand refixiert.

Bei der Grad IV-Verletzung (einer komplexen Schädigung des Labrums mit Einschlagen in das Gelenk und Instabilität) wird der komplett zerstörte Anteil des Labrums entfernt. Die lange Bicepssehne wird bei dieser Operation vom Knorpelrand abgelöst und in der Rinne am Oberarmkopf refixiert (sog. Bicepstenodese).

Narkose

Der Eingriff wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt.

Stationärer Aufenthalt

Der Eingriff kann bei entsprechender häuslicher Versorgung, fehlenden zusätzlichen Grunderkrankungen und einer gewährleisteten Nachbehandlung mittels einer Schulter-Motorbewegungsschiene ambulant durchgeführt werden.

In allen anderen Fällen wird der Eingriff in der Regel kurzstationär mit einem Krankenhausaufenthalt von 3-5 Tagen durchgeführt.

Nachbehandlung

Wie schnell und in welchem Umfang die operierte Schulter nach der Operation bewegt werden kann, hängt vom Ausmaß der Verletzung und der Art der Operation ab.

Alle frei möglichen Bewegungsrichtungen werden sofort postoperativ passiv an einer Schulter-Motorschiene und mit Hilfe des Physiotherapeuten ausgeführt.