Operationen bei Erkrankungen der langen Bicepssehne

Begriffserklärung

Die lange Bicepssehne entspring am Oberrand der Schulterpfanne aus dem faserknorpeligen Rand (dem Labrum glenoidale) und verläuft über den Oberarmkopf in eine knöcherne Rinne zwischen Subscapularis- und Spuraspinatussehne. Von da zieht sie am vorderne Oberarm nach unten und setzt am Bicepsmuskel an.

In der knöchernen Rinne wird die Sehne von Bändern (dem sogenannten Pulley) stabilisiert.

Erkrankungen der Bicepssehne sind häufig sehr schmerzhaft. Sie haben verschiedene Ursachen.

Häufige Ursachen sind:

  • Bicepssehnenentzündung (Bicepstendinitis)
  • Teilrisse der langen Bicepssehne
  • Instabilitäten der langen Bicepssehne

Bicepstendinitis

Die Bicepstendinitis, die Entzündung der Bicepssehne hat vielfältige Ursachen. Sie kann als Begleitentzündung bei Kapselentzündungen oder einem Impingementsyndrom auftreten, sie kann aber auch bei einer Instabilität von Schultergelenk oder Sehne oder Verletzungen ihres Ursprungs am Labrum glenoidale (dem faserknorpeligen Rand der Schulterpfanne) gereizt werden.

Leichte Bicepstendinitis

Teilruptur

Durch degenerative Veränderungen, Trauma oder mechanische Schädigung kann die Bicepssehne an- oder durchreißen. Beim ausgedehnten Riss der Rotatorenmanschette wird die lange Bicepssehne, die normalerweise unter der Rotatorenmanschette verläuft unter das Schulterdach gedrückt und kann so mechanisch geschädigt werden.

Deutliche Bicpestendinitis mit Teilruptur

Instabilität

Reißt die Supraspinatussehne oder die Subscapularissehne direkt an der knöchernen Rinne der Bicepssehne (dem Sulcus bicepitis), kommt es häufig zur Verletzung der den Sulcus überdachenden (und somit die lange Bicepssehne stabilisierenden) Bänder, dem Pulley.

Durch diese Verletzung kann die Bicepssehne bei Abspreiz-Drehbewegungen der Schulter aus ihrer Rinne herausrutschen (subluxieren oder luxieren).

Verletzung des Pulleys mit Instabilität

Indikation zur Operation

Bei Entzündungen und Teilrissen der langen Bicepssehne erfolgt die Operation, wenn trotz konservativer Behandlung keine Beschwerdebesserung auftritt.

Bei einer Instabilität der Sehne sollte eine Operation eher frühzeitig erfolgen.

Operationstechniken

Bei einer reinen Entzündung der Bicepssehne reicht in der Regel eine arthroskopische Entfernung des entzündeten Gewebes um die Bicepssehne.

Bei deutlichen degenerativen Veränderungen, Teilrissen oder einer Instabilität der langen Bicepssehne durchtrennt man arthroskopisch die Bicepssehne am Ursprung des Knorpelrandes. Dies ist problemlos möglich, da der Bicepsmuskel (Biceps longus) nur für einen geringen Teil der Kraft bei der Beugung des Unterarmes verantwortlich ist.

Aus kosmetischen Gründen kann man auch die lange Bicepssehne nach ihrem Absetzen vom Pfannenrand in der Rinne des Oberarmknochens arthroskopisch refixieren.

Narkose

Der Eingriff wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt.

Stationärer Aufenthalt

Der Eingriff kann bei entsprechender häuslicher Versorgung, fehlenden zusätzlichen Grunderkrankungen und einer gewährleisteten Nachbehandlung mittels einer Schulter-Motorbewegungsschiene ambulant durchgeführt werden. In allen anderen Fällen wird der Eingriff in der Regel kurzstationär mit einem Krankenhausaufenthalt von 3-5 Tagen durchgeführt.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung entspricht der der arthroskopischen Schulterdacherweiterung.

Von entscheidender Bedeutung bei der Nachbehandlung dieser Schulteroperation ist das intensive passive Bewegen der operierten Schulter. Dies soll Verklebungen der Gleiträume unter dem Schulterdach und eine Schrumpfung der Gelenkkapsel der Schulter verhindern.

Die Mobilisation beginnt am Tag der Operation mittels Motorschiene. Je nach passiv möglicher Beweglichkeit wird direkt nach der Operation oder zu einem späteren Zeitpunkt mit zusätzlicher krankengymnastischer Einzelbehandlung ohne aktive Bewegungen begonnen.

Art und Häufigkeit der entsprechenden Krankengymnastik sind vom Befund bei der Operation und dem Verlauf abhängig.

Unterstützend finden in der post-operativen Phase Medikamente (sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika) Anwendung.