Kreuzbandplastik

Begriffsbestimmung

Risse der Kreuzbänder führen durch die dadurch bedingte Instabilität des Kniegelenkes frühzeitig zu Verschleiß des Gelenkes. Dieser tritt auch schon bei täglichen Belastungen des Gelenkes auf, ist also nicht an erhöhte sportliche Aktivitäten gebunden. Dies und die heute bewährten minimal invasiven Therapieverfahren haben dazu geführt, dass auch im ‚höheren’ Lebensalter heute bandplastische Maßnahmen der Kreuzbänder durchgeführt und empfohlen werden.

Wann wird operiert

Die Indikation zur Operation hängt vom sportlichen Anspruch und möglichen Vorschäden des Gelenkes ab. Nicht jeder Kreuzbandriss muss unweigerlich operiert werden.

An konservativen Maßnahmen bietet sich z.B. Muskelaufbautraining an. Auch ein Wechsel der Sportart weg von Kontaktsportarten stellt durchaus eine Alternative dar.

Bei Operationswunsch sollte eine Operation (wenn nicht frisch innerhalb der ersten Stunden nach der Verletzung möglich) nach Rückgang der unfallbedingten Reizung des Kniegelenkes ca. nach 5-6 Wochen erfolgen. Bei einer Operation bei noch stark gereiztem Kniegelenk ist die Gefahr von Vernarbungen im Kniegelenk (Arthrofibrose) deutlich erhöht.

Was wird operiert

Schema Kreuzbandplastik, Transplantat
mit freundlicher Genehmigung Fa. Arthrex®

Als Transplantate der Kreuzbänder finden heute nur noch körpereigene Materialien Anwendung. Fremdtransplantate und Kunsttransplantate wie z.B. Gorotex-Bänder haben sich nicht bewährt.

Von uns wird aufgrund ihrer guten Ergebnisse bei der Transplantation der Semitendinosussehne beim Ersatz des vorderen Kreuzbandes der Vorzug gegeben. Der Semitendinosusmuskel ist einer von 3 Muskeln die dem Kniegelenk eine zusätzliche Stabilisierung innenseitig geben. Durch die Entnahme dieser Sehne wird das Kniegelenk in seiner Funktion, Kraft und Stabilität nicht beeinflusst.

Bei diesem Verfahren wird über einen kleinen zusätzlichen Schnitt am Schienbeinkopf innenseitig der Ansatz der Sehne dargestellt und abgelöst. Mit Hilfe eines ringförmigen Messers wird die Sehne unter der Haut präpariert und ohne zusätzlichen Schnitt abgesetzt. Die Sehne, die in der Regel eine Länge von 21-26 cm hat, wird dann über einen oder zwei Bohrkanäle durch den Knochen des Ober- und Unterschenkels an der Stelle des alten Kreuzbandes durch den Knochen gezogen und kann dort knöchern einwachsen.

Die Fixierung des Kreuzbandes erfolgt in der von Strobel entwickelten Weise über ein kleines Titanplättchen am Oberschenkelknochen in Durchzugstechnik (kein zusätzlicher Schnitt am Oberschenkel notwendig) und am Schienbein mittels einer kleinen knopfförmigen Titanscheibe. Die Implantate liegen gelenkfern, dadurch ist das Infektionsrisiko deutlich geringer. Eine spätere Entfernung der Implantate ist nicht erforderlich.

Nachbehandlung

Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant oder kurz stationär. Das operierte Bein sollte für einige Tage nur zum Teil an Unterarmgehstützen belastet werden, das Kniegelenk wird für den Zeitraum der ersten Einheilungsphase mittels Knie-Orthese stabilisiert. Neben Knie-Motorschiene kommt Krankengymnastik zunächst zur Mobilisiation, dann zum Muskelaufbautraining nach individuell festgelegten Vorgaben statt.

Sportfähigkeit in Kontaktsportarten besteht erst nach 6 Monaten.