Arthroskopische Erweiterung des Schulterdaches (Detrapment) bei Einengungen unter dem Schulterdach

Begriffserklärung

Einengungen der Sehnen unter dem Schulterdach können dann entstehen, wenn durch Unfall, Überlastung, Verkalkungen oder degenerative Veränderungen der Raum unter dem Schulterdach zu eng wird.

Für das Anheben und Halten des Oberarmes ist unter anderem die Rotatorenmanschette verantwortlich. Diese Muskelgruppen entspringen an der Vorder- oder Rückseite des Schulterblattes. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen des Oberarmkopfes (dem Tuberkulum majus und minus) an. Insbesondere die zwei Sehnen, die an der Rückseite des Schulterblattes ober- und unterhalb des Schulterblattkammes entspringen (der Supraspinatusmuskel und der Infraspinatusmuskel) ziehen in ihrem Verlauf zwischen dem Oberarmkopf und dem knöchernen Schulterdach durch, bevor die Sehne am Oberarmkopf anwächst. Die Sehnen haben dadurch schon im Normalzustand wenig Platz. Durch z.B seitliches Anheben des Armes kommt es dazu, dass sich der knöcherne Ansatz der Sehnen mit seiner Vorhebung unter das Schulterdach bewegt und dadurch den Raum unter dem Schulterdach zusätzlich verengt.

Jede zusätzliche Einengung dieses Raumes kann dann in der Folge dazu führen, dass sich die Sehnen beim seitlichen Anheben des Armes oder Komplexbewegungen unter dem knöchernen Schulterdach einklemmen. Dies bewirkt Schmerzen bei Bewegungen und im Verlauf eine Entzündung des Schleimbeutels unter dem Schulterdach sowie eine zunehmende Verdickung der Sehne, welche dann zum weiteren Einengen führt.

Indikation zur Operation

Gründe für eine Operation dieses Impingement-Syndroms sind Schmerzen und Entzündungen, die trotz konservativer Behandlung über einen längeren Zeitraum (in der Regel 5-6 Monate) bestehen bleiben.

An Behandlungsverfahren vor einer Operation stehen uns physikalische Therapien, Injektionen unter das Schulterdach, Magnetfeldtherapien, Akupunkturbehandlung etc. zur Verfügung.

Operationstechnik

Die Operation wird, wie fast alle Schulteroperationen, in sitzender Lagerung des Patienten durchgeführt. Das Schultergelenk wird zunächst von außen mittels einer dünnen Nadel aufgefüllt, anschließend über einen kleinen Schnitt (5mm) von hinten über dem Gelenkspalt zunächst die Optik mit Arbeitshülse vorsichtig in das Schultergelenksinnere vorgeschoben.

Detrapment intra-operativer Befund

Diese Spiegelung des Schultergelenkes erfolgt routinemäßig vor einer operativen Erweiterung des Schulterdaches, da häufig entzündliche Mitreaktionen der Schleimhaut des Schultergelenkes bestehen. Diese können durch einen kleinen zusätzlichen arthroskopischen Eingriff gleich mit beseitigt werden.

Nach Abschluss der ‚diagnostischen’ Gelenkspiegelung des Schultergelenkes werden Optik und Arbeitshülse ein Stück zurückgezogen und in den Schleimbeutel unter dem knöchernen Schulterdach vorgeschoben.

Grafik Bursoskopie

Über einen zweiten kleinen Schnitt seitlich an der Schulter wird ein kleines Arbeitsgerät, der sogenannte ‚shaver’, eingebracht, mit dessen Hilfe unter Sicht Verwachsungen gelöst und Teile des Schleimbeutels entfernt werden können.

In dieser Weise stellen wir die Unterfläche des Schulterdaches mit seinen Rändern und den Ansatz des von vorne einstrahlenden Bandes (dem ‚coraco-acromialen Band’) dar. Mit einer dann seitlich eingebrachten kleinen Knochenfräse (dem ‚Acromionizer’) werden einige Millimeter des knöchernen Schulterdaches entfernt.

Dadurch wird der Raum für die Muskulatur erweitert um ein weiteres oder neuerliches Einklemmen der Sehnen zu verhindern. Im Rahmen dieser Knochenentfernung wird gleichzeitig der Bandansatz des coraco-acromialen Bandes abgelöst. Nach anschießender Blutstillung und intensivem Spülen werden Arbeits- und Sichtinstrumente wieder entfernt und die Wunden mittels Naht verschlossen.

Der gesamte Eingriff dauert in der Regel maximal 20 Minuten.

Narkose

Der Eingriff wird in der Regel in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt.

Stationärer Aufenthalt

Sofern über die Krankenkasse eine Nachbehandlung mittels Schulter-Motorbewegungsschiene gewährleistet ist, kann dieser Eingriff bei fehlenden zusätzlichen Erkrankungen und vorhandener häuslicher Versorgung ambulant durchgeführt werden. In allen anderen Fällen dauert der stationäre Aufenthalt ca. 3 Tage.

Nachbehandlung

Von entscheidender Bedeutung bei der Nachbehandlung dieser Schulteroperation ist das intensive passive Durchbewegen der operierten Schulter. Dies soll Verklebungen der Gleiträume unter dem Schulterdach und eine Schrumpfung der Gelenkkapsel der Schulter verhindern.

Die Mobilisation beginnt am Tag der Operation mittels Motorschiene. Je nach passiv möglicher Beweglichkeit wird bereits direkt nach der Operation oder zu einem späteren Zeitpunkt krankengymnastische Einzelbehandlungen ohne aktive Bewegungen durchgeführt. Art und Häufigkeit der entsprechenden Krankengymnastik sind vom Befund bei der Operation und dem Verlauf abhängig.

Unterstützend finden in der post-operativen Phase Medikamente (sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika) Anwendung.